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Reisebericht Myanmar – 6. Mount Popa und Bagan

„Zwischen Sonnenauf- und -untergang“

Gnadenlos klingelte uns um 05:30 Uhr der Wake Up Call aus den Träumen. Pünktlich um 6 Uhr kam unser Fahrer, um uns für den Sonnenaufgang zum gestern ausgewählten Tempel zu fahren. Im Stockdunklen scheuchte er uns vor dem Tempel aus dem Auto. Im funzeligen Licht der Taschenlampen suchten wir den Weg auf den Tempel. 

Wie immer mussten wir uns auch hier vor dem Betreten des religiösen Bauwerks die Schuhe ausziehen. Also klettert man in den Tempeln barfuß über Stock und Stein. Anfangs kostete es etwas Überwindung, aber wenn die Füße mal dreckig sind, dann macht man sich keine Gedanken mehr darüber – außer es ist stockfinster. Trotz Fleecepulli und Jacke froren wir uns auf dem zugigen Tempel fast gewisse Körperteile weg. Nein, nicht das, was ihr denkt, ich meine die Füße. Aber wer kümmert sich schon um kalte Füße, wenn um kurz nach 6 Uhr morgens das erste Highlight des Tages bevor steht. Der Finger aller Anwesenden waren auf den Auslösern der Kameras festgeklebt und wir waren wie im Rausch. Nein, wir haben keine der stinkenden in Maisblättern gewickelten Zigarren geraucht und die Betelnüsse hätten uns wohl eher die Kronen von den Zähnen krachen lassen, als uns zu berauschen. Der Himmel färbte sich langsam von tiefem Dunkelblau über dunkellila, dunkelrosa, rot, orange, bis hell gelb die Sonne auftauchte. Die Tempel wie Schattenbilder in mystischen Frühnebel gehüllt, einfach fantastisch! Leuchtend orange stieg die Sonne dann am Horizont auf und tauchte alles in ein rötliches Licht. Der Höhepunkt waren die „Ballons over Bagan“, mit denen man für viel  Geld in den Sonnenaufgang hätte fliegen können. Es war aber schöner die, Ballons an der aufgehenden Sonne vorüber gleiten zu sehen…und günstiger war es auch. Fast eine Stunde verbrachten wir in diesem Rauschzustand, bevor wir hungrig zum Frühstück ins Hotel zurückkehrten. 

Sunrise over Bagan Myanmar

 

Sonnenaufgang über Bagan Burma
Aber von Ausruhen keine Spur. Unser Führer Maung Maung stand pünktlich vor der Tür und wir beeilten uns, unsere angestammten Plätze im Bus einzunehmen, bevor wir mit Bleifuß die staubige Straße in Richtung Mount Popa entlang bretterten. Natürlich war das übertrieben. Wenn man für eine 48 km lange Strecke über 1,5 Stunden braucht, dann könnt ihr euch ja ausrechnen mit was für einem Tempo wir unterwegs waren. Und von Straße konnte man auch nicht immer sprechen. Teilweise ging es über eine Sandpiste, da die Strecke durch einige Creeks führte, die in der Regenzeit sintflutartig Wasser führen und die Straße immer wieder weg schwemmen. Auf halber Strecke hielten wir, um uns die Produktion von Palmzucker, Palmschnaps und Palmöl erklären zu lassen.
 
Auf dem Weg nach Mount Popa
 
 
Bei der Besichtigung bot man uns den frisch destillierten Schnaps zum Probieren an. Um zu demonstrieren wie „very strong“ der Schnaps war, kippte Maung Maung einen Becher davon ins Feuer unter der vorsintflutlichen Destille. Über die Stichflamme freute er sich wie ein kleines Kind. Aber auch meine Reisebegleiterin fand das Feuerwasser nicht annähernd „very strong“, da sind wir anderes gewohnt. Bevor wir weiter fuhren futterten wir noch die Schale mit frittiertem Knoblauch, Bohnen, Erdnüssen und einer leckeren Paste aus grünen Teeblättern leer. Auch der dazu gereichte grüne Tee ließ uns danach nicht weniger nach Knoblauch stinken.
Der Mount Popa ist ein erloschener Vulkankegel, den es bei einem schweren Erdbeben ca. 1000 m aus der Ebene empor geschoben hat. Mount Popa ist ein wichtiger Pilgerort für die Burmesen. 777 Stufen führen auf den Stupa auf der Spitze des Mount Popa.
 
Das Örtchen am Fuße des Mount Popa war ein verschlafenes kleines Nest. Im Gegensatz zum letzten Jahr, als wir mitten in ein Festival und eine Mönchsbeerdigung gerieten, war diesmal kaum ein Mensch unterwegs. Im Ort selbst steht ein Haus, in dem alle 37 offiziellen „Nats“ als Figuren dargestellt sind. Die Nats gehören noch zum alten Geisterglauben der Burmesen. Da dieser nicht ausgerottet werden konnte, entschloss sich ein schlauer König vor langer Zeit dazu, der großen unübersehbaren Zahl der Nats Einhalt zu gebieten und 37 davon als offizielle Nats zuzulassen. Ein Nat wird jeder, der eines unnatürlichen Todes stirbt, zum Beispiel durch einen Unfall. Heutzutage hat zwar jede Familie noch ihre eigenen Nats, aber in der Regel wird zu den offiziellen Nats gebetet. Diese Gebete konnten wir live miterleben. Der Gläubige bringt eine Opfergabe . Meist einen riesigen Korb Blumen oder Obst, aber auch Dinge, die der Nat zu Lebzeiten mochte. Zum Beispiel werden den Kinder-Nats Spielzeuge geopfert. Da viele Gläubige selbst nicht wissen, wie sie den Nats ihre Wünsche im Gebet formulieren sollen, steht eine Art Medium bereit. In unserem Fall eine ältere Frau, die sich kurz mit dem Gläubigen unterhielt und dann lautstark mit kräftiger Stimme ihr Gebet in Form eines Singsangs zum Besten gab. So kam jeder an die Reihe und die Gute hatte bei der langen Schlange der Gläubigen mit ihren Opfergaben wirklich sehr viel zu tun. 
Nats in Mount Popa, Myanmar
Dann machten wir uns an den Aufstieg auf den Mount Popa, immer die diebischen Affen im Auge behaltend, die überall herumlungerten, um vielleicht etwas Essbares oder auch eine Sonnenbrille zu ergattern. Auf halbem Wege sahen wir, dass die Aussicht von oben nicht so gut war, denn es war sehr diesig. Unser Reiseführer schlug vor, auf einen gegenüberliegenden Berg zu einem wunderschönen Hotel zu fahren, von dem wir nicht nur die unter uns liegende Ebene sehen konnten, sondern auch den Mount Popa mit seiner Stupa auf der Spitze..
Das waren im wahrsten Sinne des Wortes verlockende Aussichten. Wir machen auf dem Absatz kehrt und stiegen die Stufen wieder herunter. Auch hier waren wir barfuß unterwegs und wir mochten uns gar nicht vorstellen, über was für Hinterlassenschaften der Affen wir gerade liefen. Witzig war die Schuhaufbewahrung am Fuße der Treppen, ein Schränkchen mit vielen Fächern, in das akribisch genau die Schuhe der Touristen geräumt wurden und gegen ein Entgelt wieder ausgelöst wurden. 
Mount Papa, Myanmar
Die Aussicht vom Mt. Popa Resort Hotel war wirklich einmalig schön. Nur schwer konnten wir uns von diesem grandiosen Ausblick losreißen, aber unser Führer trieb uns schon wieder an, denn auch der Nachmittag war wieder mit Programmpunkten gefüllt, die wir unbedingt erleben mussten. Nach einer guten Stunde auf der holprigen Straße erreichten wir hungrig Bagan. Maung Maung war gnädig und setzte uns erst einmal in einem Restaurant ab, wo wir ein spätes Mittagessen einnehmen konnten. Dass wir beide uns 2,5 Stunden festquatschten, damit rechnete der Gute natürlich nicht. Aber er ertrug es mit seiner unendlichen Geduld und einem Kartenspiel mit seinen Kollegen vor dem Restaurant. Dann fielen eben doch ein paar Tempelbesichtigungen aus, selbst Schuld! In wunderschöne Nachmittagssonne getaucht hielten wir für einen kurzen Fotostopp am einzigen Tempel mit indischem Einschlag in Bagan. Aber statt der vielen verschiedenen indischen Götter saßen nur viele kleine Buddhas in den Nischen außen am Tempel. Er war auch nicht farbenfroh wie man indische Tempel kennt, sondern schlicht in Weiß gehalten. Auf unseren Wunsch fuhren wir hinunter zum Fluss, wo eine der ältesten Pagoden Bagans, die Bupaya Pagode, steht, deren ursprünglicher Bau allerdings durch ein Erdbeben vollständige zerstört worden war. Das jetzige Gebäude ist allerdings eine Replik der alten Pagode. Die goldene Kuppel leuchtete in der tief stehenden Nachmittagssonne. Zum Flussufer lies Maung Maung uns nur zähneknirschend – in Gedanken wohl ein paar weitere Stopps streichend. Bis wir mit unseren Bildern fertig waren, war gerade noch genug Zeit, um zu einem alten Kloster zu fahren, von dem aus wir noch einen zweiten Sonnenuntergang über Bagan erleben durften. 

 

Auf dem Dach des Klosterns war nur wenig los. Ein paar Kinder begleiteten uns spaßend und lachend mit auf das Dach. Kaum waren wir oben, kam einer der Händler, der uns schon bei der Anfahrt zuwinkte und breitete seelenruhig seine Sandbilder aus. Bis zum Sonnenuntergang gesellten sich noch 4 weitere Touristen zu uns und das Gelächter war immer riesengroß, wenn wieder einer wild um sich schlagend und fluchend von einer Ameise gebissen wurde. Diese Biester waren winzig klein und wenn man sich auch nur kurz gemütlich auf die Mauer setze oder anlehnte, dann bliesen sie zum Angriff. Am Ende bildeten wir uns das Krabbeln und Beißen wohl eher ein, bis uns der atemberaubende Sonnenuntergang von allem Jucken und Kratzen ablenkte. Keiner redete mehr, alle schauten gebannt auf die Sonne, die sich langsam aber sicher ihren Weg hinter die am Horizont liegenden Berge und Tempelsilhouetten bahnte. Man hörte nur das Surren der Kameras und vielleicht doch den einen oder anderen Fluch, wenn wieder eine Ameise die Oberhand gewann. Auch an diesem Tag kletterten wir wie im Rausch vom Kloster und waren in kürzester Zeit im Hotel. Wir hinterließen beim Duschen nur eine dreckige staubige Brühe, aber mit der Zeit nimmt man das gelassener hin, als noch am ersten Tag. 
Sonnenuntergang über Bagan

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