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Reisebericht Myanmar – 7. Mingun

Wiedersehen in Mandalay

Um 5 Uhr sprangen wir munter aus dem Bett, packten unsere Sachen und bekamen doch tatsächlich schon so früh ein Frühstück. Natürlich nicht im Garten, sondern in einem Raum mit greller Leuchtstoffröhrenbeleuchtung, Plastikstühlen und Plastiktischen. Um den Kaffee machte ich heute einen großen Bogen, denn diese Brühe schmeckte gestern schrecklich und eben keineswegs nach Kaffee. 

 
Der Tee war aber auch gewöhnungsbedürftig. In einer großen Thermoskanne stand fruchtbar starker schwarzer Tee bereit, den man sich mit heißem Wasser verdünnen musste. Aber auch dann war man nach dem ersten Schluck sofort hell wach ;-)) Die Fahrt zum Flughafen war kurz und Maung Maung kümmerte sich blendend um unsere Koffer und das Einchecken. Innerhalb weniger Minuten hatten wir unsere Bordkarten in der Hand. Nach einer herzlichen Verabschiedung verschwand er in ein Restaurant in der Nähe des Flughafengebäudes, um sich für die bald darauf ankommenden neuen Gäste zu stärken. Wir warteten geduldig in der Wartehalle, um mit einer halben Stunde Verspätung unseren Flieger besteigen zu können. Trotz dem „free seating“ ergatterten wir Plätze in der ersten Reihe. Unsere Rucksäcke zu verstauen verlangte der Stewardess einiges ab, da die Fächer einfach zu klein waren. Aber was nicht passt, wir eben einfach passend gemacht! 

Der Flughafen in Mandalay ist sehr neu und modern. Trotzdem wird er im Volksmund „Geisterflughafen“ genannt, da er zum einen 40 km außerhalb der Stadt gebaut wurde, was bei den Straßenverhältnissen 1 Stunde Fahrzeit bedeutet und zum anderen ist er völlig überdimensioniert. Vielleicht landen in 5-10 Jahren hier mal internationale Flüge, aber bis dahin hat der Zahn der Zeit und der Monsun das Gebäude wohl schon wieder dahingerafft. Unser Gepäck brauchte ewig, bis es seine Runden auf dem modernen Gepäckband drehen konnte. Als wir aus dem Fluggastbereich heraus kamen, traute ich meinen Augen nicht. Da stand Sue, meine super nette Reiseführerin vom letzten Jahr. Sie war auch völlig aus dem Häuschen, denn auch sie erkannte mich sofort. Das verhieß uns 2 tolle und informative Tage in Mandalay! Zunächst gondelten wir allerdings im Schneckentempo die Straße in Richtung Stadt entlang. Durch die Regenzeit, war die Straße und einem verheerenden Zustand. Aber wir schafften es in einer guten Stunde zum Fluss, wo wir auf unser Boot – eher gesagt unseren Seelenverkäufer – nach Mingun umstiegen. 
Fahrt nach Mingun
Wir saßen gemütlich unter dem Sonnensegel welches eine einfache rote Plastikplane war auf dem Deck des Bootes. Der Motor knatterte ohrenbetäubend laut und wir genossen die Aussicht auf das Leben auf dem Fluss und am Ufer. Die 11km nach Mingun waren schnell geschafft und wir stiegen in brütender Hitze von Bord. Der erste Weg führte uns zum unvollendeten Tempel, des größenwahnsinnigen Königs. Dieser König wollte damals die größte Pagode der Welt bauen, 3 Schichten à jeweils 50 Meter. Doch leider dauerte der Bau der ersten Schicht schon 20 Jahre und der König starb. Die folgenden Könige wollten daran nicht weiter bauen, sodass der 50 Meter hohe Sockel einfach mitten in der Landschaft stehen blieb. Ein schweres Erdbeben im vorletzten Jahrhundert tat den Rest und der Sockel bekam große Spalten und die riesigen Löwen, die vom Fluss her den Weg zum Eingang säumten, purzelten teilweise in den Fluss. 
Unvollendete Pagode von Mingun
Trotzdem erfreut sich diese riesige Tempelruine heute noch großer Beliebtheit bei Einheimischen und Touristen, die von oben den schönen Rundumblick über das Dörfchen Mingun und die umliegenden Tempel genießen wollen. Diesmal schickte Sue uns alleine nach oben. Die vielen Treppen, die an der Seite angebaut wurden, waren in der Mittagshitze nicht gerade mit großer Geschwindigkeit zu erklimmen. Man kam sich vor wie in einem Backofen mit Ober- und Unterhitze. Die Stufen in der Sonne waren glühend heiß, sodass man automatisch schneller lief. Schnaufend und keuchend schleppten wir uns von Treppenabsatz zu Treppenabsatz, um dort wieder eine kleine Pause einzulegen. Aber der Blick von oben belohnte uns für unsere Mühen. Auch auf der Pagode war Klettern angesagt, man musste höllisch aufpassen, nicht in eine der Erdbebenspalten zu tappen. Zwei pfiffige kleine Jungs hatten da oben eine Marktlücke entdeckt, sie kamen mit einem Bündel Blätter an, die sie von einem Strauch abgerissen hatten und immer wenn wir stehen blieben, durften wir auf diese Blätter stehen…ansonsten wäre kein Stehenbleiben möglich gewesen. So fühlt sich also ein Steak auf dem heißen Stein!?
Blick von der Unvollendeten Pagode in Mingun
Weiter ging es dann mit Sue zur Glocke von Mingun, der größten hängenden funktionstüchtigen Glocke der Welt. Was für ein Koloss. 
Doe größte funktionstüchtige Glocke der Welt in Mingun bei Mandalay
Zum Abschluss stiegen wir noch auf einen grandiosen schonen Rundbau, einen Tempel und gleichzeitig ein Grabmal für eine früh verstorbene und sehr geliebte Königin. Auch bei diesem Besuch drängte sich mir die Frage auf, wer für uns wohl mal ein Taj Mahal bauen wird?
Mingun – Grabmal für eine Königin
Auf dem Rückweg zu unserem Seelenverkäufer hatten wir das große Glück, dass eine Initiationsprozession an uns vorbeizog. Das bedeutet, dass an diesem Tag eines oder mehrere Kinder des Dorfes feierlich als Novize ins Kloster einziehen. Dies geschieht, wenn der älteste Sohn oder Tochter der Familie mindesten 8 Jahre alt ist. Zumindest die Jungs müssen danach 1 Woche im Kloster bleiben. Wir bestaunten den langsam an uns vorbeiziehenden Zug. Die Familien und viele Dorfbewohner in ihren schicksten Kleidern, die zukünftigen Novizen und Novizinnen in schönsten Gewändern auf geschmückten Pferden oder Ochsenkarren. 
Initiationsfeier in Mingun
Auf der Rückfahrt nach Mandalay dösten wir bei Tee und Bohnencrackern auf dem Sonnendeck unseres schmucken Knatterbootes. 

 

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