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Reisebericht Myanmar 11. – Pindaya

8056 Buddhas“

Zum Glück verschieben sich unsere Flugzeiten von Flug zu Flug nach hinten. Die Maschinen der Air Bagan und Air Mandalay starten in der Regel früh am Morgen in Yangon – mehr oder minder pünktlich – und fliegen die Runde über Bagan, Mandalay und Heho, bevor es zurück nach Yangon geht. 

Aber dass das für uns eine Milchmädchenrechnung war, wurde uns auch schnell bewußt. Jedes neue Ziel brachte mit sich, dass der Flughafen immer weiter von unserem eigentlichen Ziel entfernt war. Waren es in Bagan nur 15 Minuten, so waren es in Mandalay bereits 45 Minuten und in Heho fast eine Stunde. Also standen wir auch an diesem Tag um 5 Uhr auf, um uns, wie mit Su am Vorabend abgesprochen, gegen 6 Uhr auf den Weg zum Mahamudi Tempel zu machen. 
 

Mahamuni Pagode – Mandalay

 

Mahamuni Pagode – Mandaly – früh am Morgen um 6 Uhr

 

Ja, richtig gelesen, nun war es schon so weit, dass wir bereits um kurz nach 6 Uhr am frühen Morgen barfuss über die kalten Marmorfliessen eines wunderschönen Tempels tappten…wo sollte das noch enden? Aber es war einfach traumhaft – eine ganz eigene Athmosphere herrschte um diese Zeit! Wie Su uns erklärte öffnet der Tempel bereits um 4 Uhr morgens mit der Waschung der darin befindlichen Buddhastatue. Ein Mönch wäscht den Buddha und die Gläubigen fangen das daran herunterlaufende Wasser auf, um es in dem Glauben zu trinken, dass es Wunder bewirkt und gesund macht. Uns schüttelte es schon bei der Vorstellung dieses Wasser zu trinken! Somit ist um 6 Uhr in diesem Tempel schon ganz schön was los. Im Hintergrund hört man die betenden Mönche, sie chanten. Vor der berühmten Mahamuni-Buddhastatue eine Menge betender Menschen und an der Statue schon eine lange Schlange Männer, die der Statue ein Goldblättchen ankleben wollen. Frauen haben da nichts zu suchen. Nur den Männern ist der Zutritt zum abgegrenzen Bereich um die Buddhastatue erlaubt. 
 
Buddha Figur mit Goldplättchen beklebt in der Mahamuni Pagode in Mandalay
Die große Buddhastatue sieht durch die über Jahrzehnte angeklebten Goldblättchen auch schon ganz schön unförmig aus. Nur der Kopf und der Hals dürfen nicht beklebt werden. Auf unserem Rundgang bestaunten wir das muntere Treiben, unsere Füße wurden mit der Zeit eiskalt, aber tapfer schauten wir uns auch noch die bronzenen von den Khmer aus Kambodscha geraubten Statuen an, die angeblich Krankheiten heilen sollen. Einige der Figuren wurden bei einem schweren Erdbeben zerstört, aber die noch vorhandenen werden von den Gläubigen immer dort dreimal gerieben, wo ihnen der Schuh drückt, um das entsprechende Körperteil zu heilen. Leider blieb der Selbsttest aus, da das große Gitter vor den Statuen noch nicht für Besucher geöffnet worden war. Irgendwann wurde Su ungeduldig, denn die Zeit drängte. Schließlich hatten wir noch 45 Minuten Fahrt zum Flughafen vor uns und der Flieger wartete sicher nicht auf nicht genug bekommende Tempelbesucher. Es war also nichts mit in Ruhe Fotos machen. Marsch, marsch raus aus dem Tempel…aber nicht ohne vorher noch eine CD mit den Mönchsgebeten zu erstanden zu haben. Sogar Su kaufte sich 3 dieser CDs.

 

Über die holprigen langsam erwachenden Strassen Mandalays ging es schnurstrecks zum Flughafen, wo wir in windeseile die Koffer los wurden und die Bordkarte in der Hand hatten. Su verabschiedete sich in ihrer etwas schüchternen burmesischen Art, aber wir sind sicher, sie hat sich über unseren kleinen Brief und das Geld im Umschlag gefreut.

 

Air Mandalay

 

Der Flug nach Heho war ein kleiner Hüpfer von nur 30 Minuten Flugzeit. Ich traute auch dort meinen Augen kaum, als uns Dan, mein Führer vom letzten Jahr in Empfang nahm. Auch er grinste über das ganze Gesicht, als er mich entdeckte. Aber es war scheinbar Zufall, denn keiner hatte ihm gesagt, wer ich war und mit dem Namen alleine konnte er nach einem Jahr natürlich nichts mehr anfangen. Er konnte sich aber sofort erinnern. In einem bequemen Kleinbus rumpelten wir kurz danach Richtung Pindaya, also erst einmal in die entgegen gesetzte Richtung unseres Tagesendziels.

 

Die Strasse war genau so rumpelig, wie ich sie in Erinnerung hatte, aber im Kleinbus konnte man es besser aushalten, obwohl die Stossdämpfer eindeutig schon ihren Zenit überschritten hatten. Die Fahrt war aber recht abwechslungsreich. Den ersten Stopp legten wir an einer burmesischen Rastanlage ein. Eine Reihe Restaurants, verschiedenen Stände mit Souvenirs und burmesischen Leckereien und Toiletten, über dessen Zustand ich hier doch lieber nicht berichten möchte. Weiter draußen auf dem Land waren die Einwohner ganzer Dörfer auf den Feldern, um mit mittelalterlichen Methoden das Getreide zu ernten. Mit Messern wurde es geschnitten und in ein kleine Bündel zusammengeschnürt, die später gemeinsam von Hand ausgedroschen wurden. Dan erklärte uns, dass mit Hilfe des ganzen Dorfes nach und nach die Ernte eingebracht wird.

 

Feldarbeiter auf dem Weg nach Pindaya – Myanmar
Fast 1,5 Stunden und ein paar Fotostopps später, kamen wir endllich in Pindaya an. Die Höhlenbesichtigung verschoben wir auf den frühen Nachmittag, denn uns plagte mächtig der Hunger. Außer einem „Lunchpaket“ mit 2 Eiern, einem Toast und einer Banane hatten wir bisher nichts gegessen und der Tag begann ja schließlich für uns schon weit vor Sonnenaufgang. Das Mittagessen genossen wir in einem wunderschönen Restaurant direkt am Ufer des kleinen Stausees von Pindaya. Vor der Terrasse des Restaurants grasten am Ufer einige Kühe, wirklich idylisch. Wir ließen es uns mal wieder so richtig schmecken und staunten immer wieder über das leckere Essen und die günstigen Preise. Vollgefuttert hätten wir lieber die Pause noch etwas verlängert, aber die Zeit war günstig für die Höhlenbesichtigung. Bevor die französische, bzw. hier eher italienische Invasion per Bus ankam, wollten wir eigentlich schon mit der Besichtigung fertig sein. Schnaufend bahnte sich unser Fahrzeug seinen Weg über die Spitzkehren den Berg zum Höhleneingang nach oben. Wie da wohl die große Busse hochkommen? Dans Vorschlag die Treppen zum Höhleneingang zu nehmen lehnten wir dankend ab. Uns war dann doch der bequeme Weg per Fahrstuhl lieber. Wie immer die gleiche Prozedur, Schuhe aus und los ging es barfuss in den Fahrstuhl.

 

Eingang zur Höhle von Pindaya
In der riesigen Höhle waren zu diesem Zeitpunkt nur eine handvoll einheimischer Besucher. Nachdem sich unsere Augen an das dämmrige Licht gewöhnt hatten, drängte sich uns eher der Gedanke einer mit 8056 Buddhastatuen vollgestopften Rumpelkammer auf. Wohin das Auge blickte, alles war zugepflastern mit Buddhas aller Größen, Farben und Variationen. Unter Farben versteht man in diesem Fall goldene Buddhas, weiße Marmorbuddhas, Jadebuddhas, schwarze Lackbuddhas und am Eingang in einer Vitrine ganz unscheinbar sogar ein kleiner Rubinbuddha. Natürlich wollten wir die Eindrücke auch im Bild festhalten, was bei diesen Lichtverhältnissen eine echte Herausforderung war. Mit ruhiger Hand oder irgendwo aufgestellt klickten die Auslöser unserer Kameras und das gute Ergebnis überraschte uns abends beim Betrachten der Bilder dann doch. Dan führte uns in alle Ecken und Winkel der Höhle.

 

Buddhas in der Höhle von Pindaya
Fassungslos bestaunten wir ein Himmelfahrtskommando von 4 jungen Männern, welches den Auftrag hatte, kaputte Birnen der weit oben an der Decke angebrachten Strahler auszutauschen. Schon die lange Bambusleiter erweckte kein Vertrauen, aber als auf dieser Leiter dann noch einer der jungen Männer in die Schwindel erregende Höhe des Scheinwerfers turnte, während die anderen drei versuchten, die Leiter ruhig zu halten ( die Betonung lag auf „versuchten“) stockte uns fast der Atem. Ich vergaß zu erwähnen, dass diese Vorstellung im Longhi (dem knöchellangen Wickelrock der burmesischen Männer und Frauen) und Flip-Flops stattfand. Um die Birne tauschen zu können, wurde kurzerhand mal eben der Strom in der Höhle abgeschaltet, wir standen eine Ecke weiter plötzlich im Stockdunklen und wagten nicht, nur einen Schritt weiter zu laufen. Nach wenigen Minuten, die uns wie eine Ewigkeit vorkamen, ging das Licht zum Glück wieder an und wir konnten unsere Besichtigung fortführen.

 

Buddhas in der Höhle von Pindaya

 

Die Höhle von Pindaya
Zurück am Eingang nahm uns das grelle Sonnenlicht wieder in Empfang. Dan führte uns zu den am Parkplatz liegenden Verkaufsständen, wo wir allerlei undefinierbare Leckereien probieren durften. Es waren frittierte Cracker aus Soja mit Erdnüssen, Sesam oder anderen scharfen Zutaten, ein „Dip“ aus fermentierten und gut gewürzten Grünteeblättern, welcher mit den Crackern einmalig gut schmeckte und Zuckerrohrbonbons, die eher nach einem Stück zerkauten Würfelzucker schmeckten als nach Bonbons.
Vor der langen Rückfahrt, besichtigten wir noch die Familienwerkstatt eines Papierschirmherstellers. Sie schöpften dort auch das Papier selbst, welches mit wunderschönen Blütenblätter geschmückt war. Außer den Schirmen standen auch diverse andere Werkstücke aus diesem Papier zum Verkauf, von denen es uns kleine Lampions doch sehr angetan hatten. Dan trieb zum Aufbruch, denn wir hatten 2,5 Stunden Fahrt bis zu unserem Tagesziel Nyaung Shwe vor uns. Durch unsere vielen Fotostopps wurde die Fahrt zwar abwechlungsreicher, aber trotzdem zog sie sich wie Kaugummi. Völlig müde, weil bei der rumpeligen Strassen auch nicht mal an das kürzeste Nickerchen zu denken war, kamen wir bei Anbruch der Dunkelheit in unserem Hotel in Nyaung Shwe an. Das Zimmer war ein Traum. Es lag in einer Art Nachbau eines kleinen Tempels aus rotbraunen Ziegelsteinen, in dem 3 große Doppelzimmer untergebracht waren. Eigentlich wären wir am liebsten sofort ins Bett, aber mit knurrendem Magen wäre das keine gute Idee gewesen.
Bewaffnet mit Taschenlampen machten wir uns auf den Weg zur großen Dorfstrasse, an der die ganzen Restaurants und Läden lagen. Die Auswahl fiel uns nicht leicht, zumal wir zunächst erst mal in der Pizzeria des Ortes landeten und nach kurzem Studium der Speisekarte das Weite suchten. Nach Pizza oder Nudeln stand uns dann doch nicht der Sinn. Wir wagten uns dann in ein scheinbar neues Restaurant bei einem kleinen Hotel. Die Tische und Stühle standen auf einer kleinen Holzbrücke über einen der vielen kleinen Kanäle. Den kleinen Hund, der uns schon durch den halben Ort gefolgt war, hob der Kellner kurzerhand über den Zaun am Ende des Steges und sperrte ihn quasi aus. Stattdessen bezog „Katz“ Stellung unter dem Nebentisch, erwartungsvoll wartend, ob nicht vielleicht etwas von unseren Tellern für sie abfiel. Leider hatte sie Pech, denn wir entschiedenen uns für die fast fleischlose Variante an diesem Abend. Zur Feier des Tages gönnten wir uns einen Cocktail, der aber leider nur am Alkohol vorbeigetragen worden war. Den größten Spaß hatten wir allerdings mit dem jungen Kellner. Das arme Kerlchen machte seinen Job wohl noch nicht lange, aber er war einfach liebenswert unbeholfen und hoch motiviert, sodass man über die eine oder andere Unzulänglichkeit großzügig hinwegschauen konnte

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