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Reisebericht Kambodscha – 4. Angkor Tag 3

Tag 4 „Alles Angkor oder Wat“

Mein letzter Tag in Angkor begann um 5 Uhr in der Früh. Leise schlich ich mich aus meinem Zimmer im Erdgeschoss des Gästehauses. 

Etwas verwundert schaute ich schon, als ich sah, dass die Gästehausbetreiber ihr Nachtlager auf dünnen Bambusmatten unter einem Moskitonetzt neben der Rezeption aufgeschlagen hatten. Wie kann man zu dieser Zeit nur schon so wach und vor allem so gut gelaunt sein wie „Mr. Kwong“? Kaum zur Türe draußen schallte mir schon ein freudiges „Good morning, Miss Illis“ entgegen. Gegen 5.30 h reihten wir uns in die Karawane auf den 8km langen Weg zum Angkor Wat ein. Auf dem Parkplatz herrschte schon hektisches Treiben. Die Touristen wurden aus ihren Gefährten gescheucht und machten sich wie eine Schlange Lemminge auf den Weg zum Angkor Wat. Zum Glück hatte ich im letzten Augenblick noch meine Taschenlampe eingesteckt, denn bis zum eigentlichen Tempel läuft man fast 10 Minuten über eine Straße großer unebener Steinquader. Jeder suchte sich auf dem riesigen Gelände einen Platz und wartete auf den großen Augenblick. Bis es dämmerte vergingen fast 45 Minuten, dann wurde der Himmel violett, rot und orange. Nur das Klicken der vielen Fotoapparate war zu hören. Danach dauerte es nochmals fast eine halbe Stunde, bis die Sonne goldgelb hinter den Türmen von Angkor Wat hervorkam, ein fantastischer Anblick!

Einen ausführlichen Bericht habe ich darüber bereits hier geschrieben.
Erstaunlich, wie schnell und zielsicher „Mr. Kwong“ mich immer wieder auf dem Parkplatz in all dem Gewusel fand. Nun war es Zeit für ein echtes kambodschanisches Frühstück, zu dem mich „Mr. Kwong“ in einer der vielen Garküchen einlud. Etwas ungewohnt, aber durchaus lecker die Suppe.
Gut gestärkt konnte nun der letzte Tempeltag beginnen. „Mr. Kwong“ erklärte mir, dass wir heute nur 4 Tempel auf dem Programm haben und am Ende – auf den Wunsch einer einzelnen Dame – am Nachmittag noch einmal Angkor Wat bei Helligkeit anfahren.
Der nächste Tempel – Thommanon –  war sehr klein, aber hübsch. Als ich nach meiner Besichtigung  wieder zum Ausgang marschierte, war ich plötzlich von 3-4 kambodschanischen Mädels umringt, die ihren Krempel zum Verkauf anboten. Ich machte den großen Fehler und schaute nur eine Sekunde zu lange und —schwupps— waren es bestimmt 20 Mädels im Alter von ca. 5-10 Jahren um mich herum. Sie überboten sich im Kreischen “Miss, Miss, velly cheap, only one Dollar“ (Komisch, hier kostete so gut wie alles “only one Dollar“!?). Die Mädels erdrückten mich fast und hielten mir ihre Sachen im Abstand  von ca. 2 cm vor die Augen…da soll ein Mensch was sehen und auch erkennen können, was alles verkauft wird. Ich also einen Schritt zurück, des besseren Überblicks wegen. Im Bruchteil einer Sekunde war die Meute nachgerückt, ich wieder ein Schritt zurück,…den Rest könnt ihr euch sicher denken. Das Spiel wiederholte sich mehrmals. Im sicheren Abstand von 20 m stand“Mr Kwong“. Seine asiatische Zurückhaltung erlaubte es ihm nicht, lauthals zu lachen, aber man sah ihm an, dass er innerlich fast platzte vor Lachen. Erst als ich einige “only one Dollar“ investierte, gab mich die Meute frei…nix wie ins Tuktuk…und nix weg!! Von dem Schauspiel musste ich mich erst einmal erholen – das Motto lautete nun, nie wieder zu lange hingucken, wenn auch nur ein Mädel angerannt kommt!!!
Thomannon und Chao Say Tevada
Vor dem nächsten Tempel, dem Ta Keo, mahnte mich “Mr Kwong“ bestimmt 10 mal…“Be carefull Miss Ilis – be velly velly carefull!!!“ Ok, ich musste ihm mehrmals versprechen “velly velly careful“ zu sein, ohne zu ahnen wegen was. Als ich die Mauer des Tempels passierte wußte ich, warum. Man hatte zwar einen wahnsinnigen Ausblick von der oberen Plattform des Tempels, aber die Besteigung toppte noch einmal alles bisher Dagewesene. Fast senkrecht kraxelte ich die hohen schmalen Stufen nach oben. Weit und breit keine Geländer oder Sicherungsmaßnahmen zu sehen. Hinauf geht es bekanntlich einfach. Oben japsend angekommen genoß ich den wirklich tollen Ausblick…an den Abstieg wagte ich nicht mal zu denken!!
Ta Keo
Aber irgendwann musste ich da wieder hinunter. Hinter mir 2 kreischende Asiatinnen in nicht gerade für eine solche Besteigung geeignetem Schuhwerk. Ich konnte fast nicht hinschauen, wie sie in ihren Flip Flops den Weg nach unten antraten. Die beiden kreischten sich jedenfalls vollkommen panisch gegenseitig Mut zu und jede der hohen und schmalen Stufen, die sie auf dem Weg nach unten bezwangen, wurde kreischend bejubelt.
Ich hatte nur “Mr Kwongs“ mahnende Worte im Kopf und war “velly velly carefull“ und völlig fertig am Ende. Aber ich kam heil am Fuße des Tempels an. “Mr Kwong“ freute sich, als er mich wieder in Empfang nahm. Ich höre fast, den Stein der Erleichterung von seinem Herzen fallen, vor allem weil ich wirklich “velly velly carefull“ war…
Das zweite Highlight nach Angkor Wat war Ta Prohm. Das ist der Tempel, in dem ein Teil des Films „Tomb Raider“ mit Angelina Jolie gedreht wurde. Es ist erstaunlich, wie die Wurzeln der Bäume die Gemäuer umschlingen. Hier war wesentlich mehr los, als in den anderen Tempelbezirken. Man merkte, dass Ta Prohm einer der bekanntesten Tempel von Angkor ist. Ich schaute mir die Anlage in aller Ruhe an und wartete immer auf kurze Phasen mit weniger Touristen, um meine Fotos zu machen.
Ta Prohm
Ta Prohm
Am Ende der Tour steuerten wir noch einmal Angkor Wat an. In der Mittagshitze war der Marsch ins Innere noch wesentlich anstrengender als im Morgengrauen. Ich huschte von Schatten zu Schatten und brauchte fast 2 Stunden, bis ich alles gesehen hatte. Aber dieser zweite Besuch bei Tageslicht hatte sich wirklich gelohnt.
Angkor Wat
Zurück in Siem Reap blieb mir zum Glück noch Zeit, etwas zu essen. Ein letztes Mal kletterte ich zu „Mr. Kwong“ ins Tuktuk. Neben mir mein gesamtes Gepäck. Nach 3 wunderschönen und interessanten Tagen hieß es Abschied zu nehmen von „Mr. Kwong“. Er ließ mich aber erst ziehen, nachdem ich ihm glaubhaft versichern konnte, dass ich auch auf dem Rest der Reise „velly velly carfull“ sein werde.
Bye bye Siem Reap – welcome Phnom Penh.

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