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Nepal – Annapurna Base Camp -Trekking-Tour 1

Tag 1: Naya Pul (1070m) – Chinu (1780m) – 8 Stunden
Aufgeregt fieberten wir unserem 1. Tag der Trekking Tour entgegen. Zunächst mussten wir aber eingequetscht zwischen unserem Gepäck in einem winzigen Taxi die Strecke von Pokhara nach Naya Pul, dem Ausgangspunkt der Tour, überstehen. Straße konnte man das beim besten Willen nicht mehr nennen, denn die Strecke bestand oft nur aus Geröll und tiefen Schlaglöchern, die im Slalom umfahren werden mussten. Nach knapp 2 Stunden erreichten wir völlig durchgeschüttelt Naya Pul. Unser Porter Kasi erwartete uns schon. Er schnallte sich unser gesamtes Gepäck auf den Rücken und los ging es.
Naya Pul – Nepal
Gemütlich durchquerten wir Naya Pul. Langsam ging es bergauf auf einem breiten unbefestigten Fahrweg, den wir aber zum Glück nach kurzer Zeit verließen um auf kleinen schmalen Wegen weiter zu wandern. Schon hier beschwatzte meine Begleiterin unseren Bergführer D.B. ob wir nicht vielleicht doch eine andere Route nehmen könnten. 

 

In Anbetracht meiner geringen Wandererfahrung – ich fand schon Wandertage in der Schule blöd 🙂 – hatten wir eine leichte Tour von Naya Pul über Ghorepani zum Poon Hill und zurück über Ulleri nach Birethani gebucht – den „Teahouse-Trek“ wie er von D.B. genannt wurde. Als wir unser erstes geplantes Tagesziel bereits nach 3 anstatt nach 4,5 Stunden erreichten, kam auch D.B. ins Grübeln. Über kleine Trampelpfade durch die Felder wanderten wir oberhalb des Flusses das Tal hinauf. Leider fehlte immer noch der Blick auf die Berge – die Annapurnas und den Machhapuchchre (Fischtail)-  die in dicke Schneewolken gehüllt waren. Aufgrund unserer Geschwindigkeit plante D.B. nun unsere erste Nacht in Chinu. Was wir nicht ahnten war, dass das der ultimative Test sein sollte, ob wir konditionell auch die andere Tour bestehen würden, die meine Begleiterin unbedingt machenn wollte.  
Mit der Zeit wurde der Weg auch etwas beschwerlicher. Anfangs belächelten wir die Wanderer mit ihren Stöcken, nun waren wir heilfroh selbst welche dabei zu haben 😉 Schnell bewahrheitete sich auch die geniale Weisheit, dass dort wo man steil hinunter wanderte, man auch wieder hinauf musste oder umgekehrt. Einige Male stiegen wir in Seitentäler hinab, überquerten Zuflüsse und quälten uns die andere Seite des Tales wieder den Berg hinauf. Die Kondition wurde immer wieder von neuem auf die Probe gestellt und schon an diesem Tag entwickelten sich die vielen Steintreppen zu meinem ganz persönlichen Alptraum. Nach 8 Stunden erreichten wir unsere Lodge in Chinu. 
Ein erster Blick auf die Berge – Lodge-„Zimmer“
 Das Wort „Lodge“ hört sich nach sauberem Zimmer mit bequemem Bett an, aber von dieser Vorstellung muss man sich als Trekker im Himalaya ganz schnell verabschieden. „Lodge“ bedeutet hier eine Kammer mit 2 harten Pritschen und Toilette über den Hof! Den guten warmen Schlafsack würden wir auf dieser Tour auch noch zu schätzen lernen. Da sich Vieles im Freien abspielte, bzw. auch fast immer und überall die Türen aufstanden, lief man auch abends in der dicken Jacke und den Wanderstiefeln herum. Das frisch zubereitete Abendessen schmeckte köstlich und weckte auch die Lebensgeister wieder in wenig. Die schönste Zeit war immer nach dem Abendessen, wenn alle Gäste, Bergführer und Porter in dem engen Dining-Room der Lodge an einem riesigen Tisch zusammensaßen und rege Unterhaltungen geführt wurden. Um diese Jahreszeit zu Beginn der Saison war noch wenig los und man konnte sich wirklich mit fast allen anderen Wanderern, die aus allen Ecken der Welt kamen, unterhalten.
 
Tag 2: Chinu (1780m) – Bamboo (2310m) – 7,5 Stunden
Der zweite Tag wurde schon in den frühen Morgenstunden zum Tag der Entscheidung. Um 06:30 Uhr machten wir uns nach einer Tasse Nepali-Tee auf den Weg zu den heißen Quellen am Fluss. Meine Begleiterin diskutierte wieder heftig mit unserem Bergführer und immer öfter fiel der sagenumwobene Ausdruck „ABC“, welcher hier für das Annapurna Base Camp stand. An den Hot-Springs wurde dann endgültig umdisponiert. Aus unserem 5-Tages Teahouse-Trek wurde ein Trek zum „ABC“…ich noch nicht ahnend, welche harten Prüfungen mir die nächsten Tage noch bevorstanden! Normale Menschen machen diesen Trek nämlich in 9 Tagen, wir hatten allerdings nur noch ein Zeitfenster von insgesamt 7 Tagen zur Verfügung. Mir Anti-Wanderer schwante Böses!
Und es begann auch hammerhart! Gut gestärkt verließen wir nach dem Frühstück den Weg zum Poonhill und bogen ab auf die Strecke zum „ABC“. Die vielen Treppen des Vortages waren im Vergleich zu diesem Tag ein kleiner Sonntagsspaziergang. Nach Luft japsend arbeiteten wir uns die Treppen hinauf nach Chinu. Zwischendurch stellte ich mir sicher 1 Million mal die Frage, worauf ich mich hier nur eingelassen hatte und welcher Teufel mich geritten haben musste, um an den heißen Quellen mein Einverständnis zur Streckenänderung gegeben zu haben. Das Mittagessen bescherte uns zum Glück eines der leckersten Dal Bats auf unserer Tour, welches meine Laune besser werden ließ. Langsam kam ich wieder zu Kräften, die auch notwendig waren, um den Abstieg zum Fluss und den darauf folgenden Aufstieg nach Sinuah zu bestehen. Da wir auch hier viel zu früh ankamen entschied D.B., uns bis nach Bamboo weiterlaufen zu lassen, wo wir unser zweites Nachtlager aufschlugen. 
Treppen, Treppen, Treppen – ein Apltraum
Der Weg von Sinuah nach Bamboo war zum Glück leichter zu bewerkstelligen und die tolle Aussicht ließ mich ein bisschen weniger mit meinem Schicksal hadern, dass ich auf dieser Tour wohl nicht nur meine konditionellen Grenzen weit überschreiten würde. Leider war von den Annapurnas und dem Fischtail mit ihren rund 8000m Höhe immer noch nichts zu sehen. Dort wo die Bergspitzen hätten sein sollten, starrte uns nur eine dicke Wolkenwand an. 
Lodge in Bamboo
Beim Abendessen trafen wir auf die ersten Gruppen, die bereits wieder auf dem Rückweg vom ABC ins Tal waren. Geschichten über wahnsinnige Schneemassen und irrem Wind auf dem ABC machten die Runde. Ich wagte mir gar nicht auszumalen, was uns dort oben vielleicht erwarten würde und beschloss, mich in unsere Luxussuite zu begeben, um mir frühzeitig den Schlafsack über die Ohren zu ziehen. Ich konnte kaum mehr laufen, so weh taten mir alle Knochen. Schlaf war da wohl die beste Medizin. Noch beim Einschlafen verfluchte ich ein letztes Mal meine Begleiterin für die glorreiche Idee, auf das ABC zu wandern zu wollen und mich selbst dazu, diesem Himmelfahrtskommando zugestimmt zu haben. 
Tag 3: Bamboo (2310m) – Deurali (3230) – 6,5 Stunden
Doch ein kleines Wunder geschah. Am nächsten Morgen ging es mir glänzend. Wie weggeblasen all die Bedenken und Ängste, es vielleicht doch nicht schaffen zu können. Wir waren die ersten, die morgens im 6 Uhr beim Frühstück saßen und vom Lodgebetreiber mit leckerem Omelette verwöhnt wurden. Bereits eine Stunde später waren wir wieder unterwegs. Immer weiter das Tal hinauf, aber da keine Alptraum-Stufen in Sicht waren, fing es an mir immer mehr Spaß zu machen. Der Weg führte durch verwunschene Wälder, alles grün und mit Moos bewachsen. Hinab und hinauf über die kleinen Seitenflüsse, die wir entweder über wackelige Brücken oder von Stein zu Stein hüpfend überquerten. Um diese Jahreszeit führten die Flüsse nicht viel Wasser, sodass wir überall fast trockenen Fußes am anderen Ufer ankamen. 
Himlaya lag knapp unter der Schneegrenze und wir legten dort eine längere Mittagspause ein. Kaum wieder unterwegs, fing es an kräftig zu schneien. Der Schnee war ganz anders als wir es kannten, keine Flocken, sondern Körnchen wie kleine Styroporkügelchen. Erst war es ja noch ganz nett und abenteuerlich durch den Schnee zu laufen, doch der Spaß verging uns schnell als wir in den Schneemassen immer wieder den Weg verloren. Zum Glück kannten D.B. und Kasi die Strecke wie ihre Westentasche und führten uns sehr trittsicher immer weiter nach oben. Wir bahnten uns unseren eigenen Weg die Hänge entlang über Geröll und Felsen.
Bereits am frühen Nachmittag erreichten wir Deurali. Hier übernachteten wir auch, da uns dieser Tag fast 1000 Höhenmeter beschert hatte. Mit Sorge betrachteten alle den ununterbrochenen Schneefall und die undurchdringliche Wolkendecke, die sich dick über dem Tal breit gemacht hatte. Im Dining-Room war die Stimmung gedämpft, denn keiner konnte sich vorstellen, bei diesem Wetter am nächsten Tag zum ABC aufzusteigen. Wir versuchten uns zumindest ein wenig mit dem Gedanken anzufreunden, dass wir unser Ziel wirklich so knapp verfehlen würden und am nächsten Tag statt auf- wieder abzusteigen. Als dann noch die riesen Diskussion wegen der Lawinengefahr entbrannte, entschloss ich mich für den Rückzug ins Zimmer. D.B. versuchte uns zu beruhigen und meinte, das Wetter sei zum einen am nächsten Tag bestimmt besser und zum anderen würde die endgültige Entscheidung für den Auf- oder Abstieg vor dem nächsten Morgen sowieso nicht gefällt werden können. Trotz einer warmen Bettflasche im Schlafsack wurde es eine kalte Nacht.

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