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Dr. Beat Richner – Beatocello – Kinderkrankenhäuser für Kambodscha

Unermüdlich sammelt der Schweizer Kinderarzt Dr. Beat Richner Spenden für seine nunmehr 5 Kinderkrankenhäuser in Kambodscha. Unermüdlich sammelt der Schweizer Kinderarzt Dr. Beat Richner Spenden für seine nunmehr 5 Kinderkrankenhäuser in Kambodscha. Es begann 1992 mit dem Kinderkrankenhaus Kantha Bopha I. Sein Herz schlägt für die schwächsten der kambodschanischen Gesellschaft – die Kinder des Landes. Einmal in der Woche gibt „Beatocello“ um 19 Uhr ein Konzert im Saal des Kinderkrankenhauses in Siem Reap.

Beatocello, der Musiker – Dr. Beat Richner, der Kinderarzt
 
Es ist angenehm klimatisiert im Saal des Kinderkrankenhauses Jayavarman VII in Siem Reap nahe der atemberaubenden Tempelanlagen von Angkor. Auf der Bühne Dr. Beat Richner, in diesem Moment als Künstler „Beatocello“. Sobald die ersten Töne seines Cellos erklingen, wird es still im Saal. Stücke von Bach, ungewohnt in einem Land wie Kambodscha. Begleitet von weiteren musikalischen Darbietungen auf dem Cello, macht Dr. Beat Richner auf den eigentlichen Sinn der Veranstaltung aufmerksam – einen Einblick in sein Wirken zu geben und Spenden zu sammeln für seine unermüdliche Arbeit in den inzwischen 5 von ihm erbauten Kinderkrankenhäusern des Landes.
 
Er erzählt von den Anfängen seiner Zeit in Kambodscha. 1974 vom Roten Kreuz aus der Schweiz ins Land geschickt, gründete der Schweizer Kinderarzt das erste seiner Kinderkrankenhäuser in Phnom Penh. Während dem Regime der Roten Khmer musste Dr. Beat Richner das Land verlassen. Erst 1991 baten ihn die damalige Regierung Kambodschas und der zum König gewählte Norodom Sihanouk, nach Kambodscha zurückzukehren, um sein gegründetes Krankenhaus wieder instand zu setzen. Benannt wurde das Krankenhaus und später auch die ganze Stiftung nach einer an Leukämie verstorbenen Tochter des Königs Norodom Sihanouk – Kantha Bopha, was „duftende Blume“ bedeutet.
 
 

1997 folgte in der Hauptstadt Phnom Penh das Kantha Bopha II, nachdem das Kantha Bopha I aus allen Nähten platzte. Das erste Kinderkrankenhaus in Siem Reap, das Jayarvarman VII wurde 1999 eröffnet. Bis 2007 folgten 2 weitere Kinderkrankenhäuser in Phnom Penh, das Kantha Bopha IV und V. Die Arbeit von Dr. Beat Richner wird fast ausschließlich durch Spenden finanziert.

 

 
Er erzählt aber auch, dass die gesundheitliche Situation im Land eine Katastrophe ist. Das Regime der Roten Khmer hat damals alle Krankenhäuser zerstört und die Ärzte umgebracht. Es brachen Krankheiten aus, die es bis dahin in Kambodscha kaum gegeben hatte. Speziell Tuberkulose und das Dengue Fieber stellen ein großes Problem dar. In seinen Kinderskrankenhäusern rettet er nicht nur täglich das Leben vieler Kinder, sondern bildet auch Ärzte und Krankenschwestern aus, die in naher Zukunft die Krankenhausbetriebe eigenständig weiterführen sollen.
 
Dr. Beat Richner betont, dass sich die gesundheitliche Situation nur bessern würde, wenn die Versorgung nach westlichen Standards der Medizin erfolgen. Allerdings möchte ihn die Weltgesundheitsorganisation WHO in diesem Unterfangen finanziell nicht unterstützen. Die WHO vertritt die Auffassung, die medizinische Versorgung eines Landes solle seiner Ökonomie entsprechen und die Versorgung nach westlichem Standard sei für ein Entwicklungsland wie Kambodscha zu teuer. Zusätzlich solle die Bevölkerung die medizinischen Behandlungen selbst bezahlen, damit die Menschen lernen, für die eigene Gesundheit die Verantwortung zu tragen.
 
 
Allerdings gibt es in Kambodscha kein Gesundheits- oder Sozialsystem und der Unterschied zwischen Arm und Reich ist so groß wie in kaum einem anderen Land. Der größte Teil der Bevölkerung lebt als Selbstversorger auf dem Land und hat kein Geld für medizinische Behandlungen. Das ist auch der Grund, dass die medizinische Versorgung in allen seiner Kinderspitäler kostenlos ist, denn die Behandlung sei oft die Lebensrettung für viele Kinder. Während seinem Konzert versucht Dr. Beat Richner seinen Zuhörern zu vermitteln, dass jedes Menschenleben gleich viel wert ist.
 
2009 erschien das Buch „Zwischen Leben und Überleben“ von Dr. Beat Richner, sein persönlicher Bericht über 20 Jahre Arbeit in seinen Kinderspitäler in Kambodscha.
 
In Siem Reap liegt das Kinderkrankenhaus Jayavarman VII direkt an der Zufahrtsstraße zu den Tempeln von Angkor. Über die Straße gespannte Banner machen darauf aufmerksam, dass jede Spende zählt und auch Blutspenden dringend benötigt werden.
 
Spätestens wenn man auf der Fahrt zu den Tempeln im Morgengrauen die unendlich erscheinende Warteschlange kambodschanischer Familien mit ihren kranken Kindern vor dem Krankenhausportal sieht spürt man, dass Dr. Richner genau das Richtige tut.
 
 
 
 
 
Im Frühjahr 2015 auf meiner zweiten Reise nach Kambodscha, wollte ich mit meinen Mitreisenden wieder zu „Beatocellos“ Veranstaltung im Kinderkrankenhaus in Siem Reap. Da Dr. Richner sich zu diesen Zeitpunkt in der Schweiz aufhielt, kamen wir leider nur in den Genuß des sehr beeindruckenden Films über dr. Richners Leben und die Entstehung der Kinderkrankenhäuser.
 
Leider verstarb Dr. Richner im Herbst 2018 – möge sein Lebenswerk fortgeführt werden!

Ein Kommentar zu “Dr. Beat Richner – Beatocello – Kinderkrankenhäuser für Kambodscha

  1. Maria Huber

    Ein großartiger Mensch und in unserer Zeit ein wirkliches Vorbild für Menschenliebe und Engagement für kranke Kinder, die nicht in einem reichen Elternhaus aufwachsen. Ich bewundere seine selbstlose Einsatzbereitschaft und wünsche mir mehr von diesen Menschen.

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